Zu Besuch ...
Schreibe einen Kommentar

Tomaten & Co. – meine Reise in
die Niederlande – Teil 2

Der Januar und Februar gehören nicht zu meinen Lieblingsmonaten. Beide haben zwar auch etwas für sich. Denn nach einer Zeit der Reflexion Ende des vorigen Jahres hat man meist beschlossen, an neuen Zielen zu arbeitet, ist motiviert etwas Neues zu wagen und gute Vorsätze umzusetzen. Allerdings haben diese beiden Monate auch Eigenschaften, die mir so gar nicht gefallen wollen: Da ist zum einen das Wetter – es gibt zwar manchmal ein paar schöne sonnig-kalte Wintertage, die meiste Zeit ist es aber trüb, nasskalt und einfach nur uselig. Zudem stehen keine besonderen Events an, bis auf Geburtstage von eine paar lieben Menschen, auf die man wie zu Weihnachten hin fiebern kann. Irgendwie ist diese Zeit für mich so nichts sagend. Sie scheint einfach nur dazu zu dienen, dass man sich voller Tatendrang auf die wärmeren Jahreszeiten, mehr Licht, die wieder erwachende Natur freut und einfach nach Frühling sehnt. Die Weihnachtsdeko ist weggeräumt, jetzt stehen schon die ersten Tulpen auf meinem Tisch. Manchmal schaue ich sehnsüchtig nach draußen, um die ersten Knospen und Frühlingsboten zu entdecken. Am liebsten würde ich jetzt schon beginnen, meinen Balkon wieder neu zu bepflanzen, Gemüsepflanzen großzuziehen und die schöne Frühlingsluft zu genießen.

Gerade sitze ich gemütlich mit einer Tasse Tee vor meinem Laptop und habe beschlossen, mir die Zeit des Wartens etwas zu versüßen. Ich lasse meine Reise mit anderen Foodbloggern durch Hollands Gewächshäuser erneut Revue passieren. Dort wächst nämlich auch außerhalb der Saison wunderbares Gemüse. Ich hatte Euch bereits den ersten Teil meiner Reise in ein Tomatengewächhaus vorgestellt (Klick). Nun nehme ich Euch an einen für mich ganz besonderen Ort mit.

Geschmacksexplosionen garantiert – unser Besuch bei Koppert Cress

Unser Besuch bei Koppert Cress gehörte zu meinen persönlichen Highlights. Vor unserer Reise habe ich mich vorab ein bisschen über die Firma informiert und Bilder von rosa durchleuchteten Gewächshäusern gesehen. Ich wusste daher bereits, dass besondere Kressesorten, weit über die bekannten Sorten, wie die Garten- oder Brunnenkresse, hinaus dort angebaut werden. Deswegen war ich besonders gespannt.

Koppert Cress Gewächshaus für den Kresseanbau

Nach einem köstlichen Willkommensdrink mit Weizengras begann unsere erste Kresse-Verkostung des Tages und wir erfuhren nebenbei einiges über Firmenphilosophie von Koppert Cress, den Anbau von Kresse und die einzelnen Sorten: Aktuell werden bei Koppert Cress 27 Kressesorten und 32 Spezialitäten angebaut. Dabei handelt es sich um besonders aromatische junge Triebe von Mikrogemüse. Die uns dargebotene Geschmacksvielfalt hat mich besonders überrascht. Wir haben so viele verschiedene Sorten Kresse probiert und jede schmeckte auf ihre Art sehr besonders. So gab es Kresse, die nach Chili, grünem Apfel, Lakritz, Limone oder sogar Auster schmeckte. Auch die unterschiedlichen Konsistenzen waren interessant. Manche Sorten brachten sogar ein besonderes Mundgefühl mit sich – der Genuss einer gelben Blüte führte sogar zu einem elektrisierenden und zugleich betäubenden Effekt im Mund. 

Bei der Verkostung bekamen wir nach und nach ein bisschen von jeder Kresse zum Probieren auf einen Teller gelegt. Optisch machte der Probierteller allerdings nicht her, also beschloss ich kurzerhand mir nebenbei einen Spaß daraus zu machen und die einzelnen Sorten miteinander kreativ für ein Foto anzuordnen. Entstanden ist dann folgendes farbenfrohes Foto – ganz schön kitschig 😀

Kressesorten

Koppert Cress ist immer auf der Suche nach neuen Geschmacksvarianten und leistet diesbezüglich ein wenig Pionierarbeit. Robb Bahn, der Geschäftsführer von Koppert Cress, engagiert sich hierfür regelmäßig in einem ganz persönlichen Projekt: In einem eigenem kleinen Gewächshaus- Urwald versucht er essbare Pflanzen aus der ganzen Welt zu kultivieren. Die ein oder andere Pflanze hat er  zu diesem Zweck sogar persönlich aus dem Urlaub mit gebracht. Ich war völlig begeistert, als wir durch den Urwald geführt wurden. An jeder Pflanze konnte man sich ein Blättchen oder eine Blüte abzupfen und probieren. Wie es an manchen Stellen duftete… traumhaft. Mein Hobbygärtner-Herz schlug Purzelbäume. Schaut Euch nur die Fotos an. Auch wenn ihr dabei leider nichts riechen oder schmecken könnt, seht ihr doch auch schon optisch, wie vielfältig die Pflanzen im Geschmack sein müssen, oder?

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

essbare Pflanzen

Sehr positiv finde ich, dass Koppert Cress sich für den Umweltschutz und einen nachhaltigen Gemüseanbau stark macht. Die Gewächshäuser sind auf den Anbau von Kresse und den Bedürfnissen der Pflanzen optimiert – sogar das Licht. Eingangs hatte ich Euch ein Bild von einem rosa Gewächshaus gezeigt und ihr habt Euch sicherlich schon gewundert, warum alles rosa beleuchtet ist, oder?

Gewächshaus LED Licht

Für die Fotosynthese und das Wachstum brauchen Pflanzen vor allem Licht mit einem bestimmten Wellenspektrum, welches farblich deutlich erkennbar ist. Als Lichtquelle werden energiesparende LEDs eingesetzt. Sonnenkollektoren sorgen für Elektrizität und überschüssige Wärme wird u.a. für die Nutzung in kalten Wintertagen gespeichert. Für die Umwelt, die Pflänzchen und den Menschen von Vorteil – in Sachen Pflanzenschutz werden ausschließlich biologische Mittel eingesetzt und es werden keine künstlichen verwendet. Auch auf künstliche Düngemittel wird komplett verzichtet.

Kresseanbau

Kressefeld

Kressefeld

Nach der Besichtigung der Gewächshäuser, machte sich wieder ein kleines Hüngerchen bemerkbar und wir wurden zum nächsten Tasting in die hauseigene Kreativwerkstatt „Cressperience“ gebeten, in die des Öfteren Köche aus aller Welt geladen werden, um selber Erfahrungen bei der Komposition von Gerichten mit der Vielfalt an Kressesorten machen zu können.

Zunächst nahmen wir an einem Foodparing Workshop teil. Uns wurde die Aufgabe gestellt eine Kürbissuppe mit verschiedenen Kressesorten zusammen zu probieren. Tatsächlich schmeckte die Suppe immer unterschiedlich. Die Kresse mundete mir dabei so gut, dass ich alle meine Probiertöpfchen leer gegessen habe (und das waren einige). Die Anderen belächelten mich dafür zwar liebevoll ein bisschen, aber man soll ja nichts verkommen lassen 🙂

Kürbissuppe mit Kresse

Nach dem Workshop bereiteten wir gemeinsam Flammkuchen, Summerrolls und sogar einen Nachtisch mit Kresse zu. Alle Gerichte schmeckten einfach köstlich. An dem Abend haben wir sicherlich so viele Vitamine zu uns genommen, wie man in einem ganzen Jahr benötigt. 

Summerrolls und Flammkuchen

Nachtisch mit Kresse

Einen kleinen Tiefpunkt gab es allerdings an diesem Abend doch noch. Nämlich als wir erfuhren, dass es die Kresse meist nur auf dem Großmarkt zu kaufen gibt. Koppert Cress richtet sich mit seinen Produkten aktuell noch eher an Gastronomen und nicht an den Endverbraucher. Ich hoffe das ändert sich bald, da ich wirklich Feuer gefangen habe und das Grünzeug jetzt schon liebe. Eine eigene Palette Kresse für zu Hause tröstete mich temporär etwas darüber hinweg. Lange hat die Kresse jedenfalls nicht überlebt. Ich bereitete damit kurzerhand nochmal Summerrolls zu. Dazu bald mehr. Ich werde das Rezept demnächst hier auf meinem Blog posten. Als Variante gibt es dann ein Rezept mit Wildkräutern, weil sicherlich nicht jeder mal eben auf dem Großmarkt einkaufen kann. Hier schon einmal eine kleine Preview.

Summerrolls italienisch

! Vielen Dank an das Hollandbüro by Seidl für die Einladung zu diesem schönen Event und den niederländischen Produzenten, die uns einen Einblick gegeben haben, wie sie die niederländischen Exportschlager Tomaten, Vla & Co. produzieren. Meine persönlicher Erfahrungsbericht bleibt davon unberührt.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*