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Meine erste selbst gebackene Hochzeitstorte

Anfang September war es soweit – ich  habe meine erste Hochzeitstorte für eine sehr liebe Freundin gebacken habe.

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Bis die Torte endlich von einem vor Glück strahlenden Brautpaar angeschnitten werden konnte, gab es einiges zu tun, schließlich backt man eine dreistöckige Hochzeitstorte nicht mal eben nebenbei. Trotz genauer Planung und auch einigen Probebacksessions gab es beim Backen und Dekorieren später ein paar Schikanen, die es zu überwinden galt und auch emotional war die Zeit vor der Hochzeit sehr intensiv für mich. Nach dem ganzen Trubel habe ich daher erst einmal ein bisschen Zeit gebraucht, bis ich diesen, mir sehr am Herzen liegenden Blogpost schreiben konnte. Nun freue ich mich mit Euch gemeinsam zurückblicken zu können und die Zeit der Vorbereitungen mit Freude und auch etwas Stolz noch einmal mit Euch zusammen erleben zu können.

Anschnitt der Hochzeitstorte

Alles begann vor knapp 1 1/2 – 2 Jahren. Meine Freundin wünschte sich zu dieser Zeit nichts sehnlicher, als endlich einen Heiratsantrag von ihrem geliebten Freund zu bekommen. Obwohl der Heiratsantrag noch nicht in Sichtweite war, gaben wir uns manchmal bereits Tagträumen rund um ihre Hochzeit hin. Eine Idee, wie die Torte aussehen sollte, gab es bereits: Sie sollte dreistöckig werden und ganz schlicht mit weißem Fondant überzogen sowie mit weißen und rosafarbenen Zuckerrosen dekoriert werden. Ich malte mir in Gedanken schon aus, wie ich die Torte backen würde. Schon sehr lange hegte ich selber insgeheim den Wunsch, mal eine richtige, mehrstöckige Hochzeitstorte backen zu können. Bisher gab es aber einfach noch nie die Gelegenheit.

Letztes Jahr im Spätsommer war es dann endlich soweit. Die Verlobung wurde gefeiert und wir starteten zugleich voller Elan mit der Planung der Torte, schließlich sollte sie perfekt werden. Einige spaßige und manchmal auch feuchtfröhliche Treffen zum Probebacken und Kuchenverkostungen später wussten wir, wie die inneren Werte der Torte gestaltet werden sollten: Den untersten Teil der Torte sollte ein schokoladiger Kuchen mit einer Haselnuss-Schoko-Buttercreme-Füllung bilden. Der mittlere Teil sollte aus einem Zitronenkuchen mit einer Brombeere-Buttercremefüllung bestehen und der oberste Teil ganz klassisch aus einem vanilligem Kuchen mit Vanille-Buttercreme und Erdbeermarmeladenschichten gebacken werden.

Knapp zwei Wochen vor der Hochzeit begann ich mit der Vorbereitung der Zuckerrosen. Da ich bisher noch nie Rosen aus Zuckerblütenpaste hergestellt hatte, informierte ich mich bereits frühzeitig, welches Equipment man benötigt, wie man realistisch wirkende Rosen herstellt und was es zu beachten gibt. 

Sweet Flowers – meine Tortenbibel

Sehr geholfen und inspiriert hat mich bei der Planung und Umsetzung der Torte und der Zuckerrosen das Buch Sweet Flowers – Süße Blütenpracht für exquisite Torten von Peggy Porschen, erschienen im Verlag Edition Fackelträger. Peggy Porschen ist eine Meisterin in diesem Handwerk, hat bereits Awards für ihre Kreationen gewonnen und ist über England hinaus bekannt. Auch Stars, wie z.B. Madonna, Kate Moss, Anthony Hopkins und Gwyneth Paltrow haben Torten für besondere Anlässe bei ihr bestellt. In ihrem Londoner Geschäft bietet sie täglich die wundervollsten Tortenkreationen, Cupcakes und Cookies zu Kauf an, produziert auf Bestellung Torten, die keine Wünsche mehr übrig lassen und betreibt zusätzlich eine Cake Academy, in der sie ihr Wissen an ihre Schüler weitergibt.

Sweet Flowers

Bildrechte © Georgia Glynn Smith/ Edition Fackelträger

Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet und beinhaltet wahre Blütenträume. Es ist ein Genuss, Seite für Seite durchzublättern und ihre Kreationen zeitgemäßer und stilisierter Zuckerblüten zu bewundern. Neben bebilderten Schritt für Schritt Anleitungen, wie man die jeweiligen Blüten herstellt, erklärt Peggy Porschen auch ausführlich die Grundlagen der Zuckerblütenherstellung. Die Erläuterung, welche Grundausstattung an Werkzeugen und Materialien man für die Herstellung der Blüten benötigt, rundet die Beschreibung ab.

Auch ein Kapitel zu den Grundlagen der Tortenherstellung ist enthalten. Ausführlich wird beschrieben, was man bei der Planung von Torten beachten muss, welche Grundausstattung man benötigt, wie man Kuchenformen auskleidet, Lagentorten schichten und Etagentorten aufbaut. Auch Rezepte für Biskuitböden, Ganache, Buttercreme sowie Royal Icing finden sich im Buch. Wer also eine aufwändige Tortenkreation mit Zuckerblüten plant, findet in diesem Buch alles, was man insgesamt wissen muss.

Obwohl ich in der nächsten Zeit keine Torten mehr backen werde, schmökere ich hin und wieder gerne in diesem Buch. Ich kann es Euch wärmstens empfehlen.

Von den Vorbereitungen bis zur fertigen Torte

Natürlich hatte ich schon im vornherein ganz schön viel Respekt vor dieser Aufgabe und der Verantwortung, für die Hochzeitstorte zuständig zu sein. Schließlich wollte ich dazu beitragen, dass die Hochzeit ein perfekter Tag für die beiden wird und ich wollte mir gar nicht erst ausmalen, wie es wäre, wenn   bei der Tortenproduktion oder beim Transport etwas schief gehen würde. Meine Nervosität durchlebte viele Ausprägungen, von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode getrübt. Ich hatte mega Respekt vor dieser Aufgabe, freute mich aber auch, erstmals vor so einer Herausforderung zu stehen.

Dennoch fühlte ich mich gut vorbereitet, obwohl es meine erste Hochzeitstorte war. Die einzelnen Kuchenböden und Füllungen hatten wir schließlich jeweils Probebacken und für sehr lecker befunden. Hier bestand die Herausforderung also „nur noch“ darin, sie in der Menge in einem begrenzten Zeitrahmen herzustellen. Wegen der Rosen machte ich mir zunächst auch nicht zu viele Sorgen, schließen habe ich schon öfters Dinge aus Ton etc. modelliert und dachte, dass ich das dann auch mit den Rosen hinbekomme. Wie sagt man so schön – „es kommt oft anders als man denkt“ und „am Ende wird alles gut“.

Zuckerrosen und Hochzeitstorten Produktion

Die Rosenproduktion

Bei einem Problem konnte mir keinerlei Erfahrung und auch keine Anleitung helfen. Die Zuckerblütenpaste, die mir in einem Fachgeschäft empfohlen wurde und die wir daher auch in größerer Menge gekauft hatten, war nämlich qualitativ sehr schlecht. Eigentlich ist Zuckerblütenpaste ein Material, welches sehr schnell austrocknet und daher schnell verarbeitet werden muss. Nicht so die Paste die ich gekauft hatte. Diese wollte einfach nicht trocknen. Somit hatte ich zunächst keine Struktur und vor allem Stabilität in die Blätter bekommen. Ich musste mir also etwas einfallen lassen und ging dazu über die Blütenblätter zunächst mindestens 8 Stunden vortrocknen zu lassen und sie anschließend erst zu Rosen zusammen zu setzen. Dieser Prozess war natürlich sehr sehr zeitintensiv und ich machte bis ein paar Tage vor der Hochzeit in meiner Freizeit nichts anderes, als Rosen zu modellieren und  dabei Gilmore Girls von Staffel 1 an zu schauen. Die 2 verrückten Mädels spendeten mir quasi beste Gesellschaft 😉

Auch das Vortrocknen führte leider nicht zum erwünschten Erfolg. Durch den Lebensmittelkleber wurden die Blätter wieder etwas weich und die Rosen wollten dadurch nicht in Form bleiben. Ich musste mich also an weiteren Tricks bedienen. Eine Hilfe waren mir dabei tatsächlich Erdnüsse und kleine Schwämme, mit denen ich die Blätter in der richtigen Höhe und Form fixiert habe, bis sie halbwegs trocken waren. Fast am Verzweifeln war ich, als zu allem Übel die Holzstäbe bei ein paar fertigen Rosen nach oben durch die Knospe durchgebrochen waren, weil die Paste auch im Kern nicht komplett trocknen wollte – ich hätte heulen können. Zum Glück konnte ich diese Schönheitsfehler aber auch wieder korrigieren. Die  Blüten wurden anschließend mit Draht und Pappe an einer Stelle fixiert. Trotz der kleinen Rückschläge habe ich aber nicht aufgegeben und es tatsächlich geschafft, die Rosen nach meinen Vorstellungen fertig zu stellen.

Die Torte

Ab dem Mittwoch vor der Hochzeit bis samstags hatte ich Urlaub, um die Torte zu backen. Vorab bestand die Herausforderung aber zunächst darin abzuschätzen, wie viel Böden ich benötigen würde, um die Torte aus Böden im richtigen Größenverhältnis zueinander backen zu können. Anschließend wurde ein langer Einkaufszettel geschrieben und der Großeinkauf konnte beginnen. Nachdem ich alle Zutaten verstaut und nochmal die Küche gewienert hatte, konnte das große Backen beginnen und am Abend stapelten sich schon die ersten Tortenböden.

Am Donnerstag waren die Schokoladenböden und die Füllungen an der Reihe und die erste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten. Der Backrahmen, den wir extra gekauft hatten, damit die Torte unten einen größeren Umfang hat, als eine herkömmliche Springform hergibt, passte nicht in meinen Ofen bzw. nicht auf die Bleche. Der Rand störte. Was nun? Zum Glück fiel mir eine Lösung ein. Ich nahm das Gitterblech ohne Rand, umwickelte es ein paarmal mit Alufolie und platzierte den Backrahmen darauf. Es funktionierte – wieder eine Hürde gemeistert 🙂 Die nächste ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Ich stellte nämlich fest, dass ich mich etwas verkalkuliert hatte. Um die gewünschte Höhe der unteren Torte erreichen zu können, reichten die fertigen Böden nicht aus. Zwei weitere mussten also gebacken werden und auch die benötigte Menge an Cremes musste ich nach oben korrigieren. Also fuhr ich Donnerstagabend nochmals schnell in den Supermarkt und kaufte noch weitere Zutaten ein. Zu guter Letzt brauchte ich insgesamt für die Torte 64 Eier, 3,4 kg Zucker, 4 kg Butter und 2 kg Schokolade plus natürlich weiterer Zutaten. Die restlichen Cremes stellte ich noch am Abend her.

Freitagmorgen düßte ich erst nach Essen Kettwig, um die standesamtliche Hochzeit zu fotografieren. Wieder Zuhause angekommen, backte ich zunächst die letzten zwei Schokoladenböden und anschließend ging es ans Schichten bis in die Nacht hinein. Das Einkleiden der Torte mit Fondant verschob ich auf den Tag der Hochzeit, weil ich zuvor einige Horrorgeschichten gehört hatte, dass der Fondant im Kühlschrank Feuchtigkeit zieht Ich wollte lieber kein Risiko eingehen.

In der Nacht war ich so aufgeregt, dass ich kaum ein Auge zumachte. Morgens früh began ich damit, die kleine und mittlere Torte mit Fondant zu beziehen, stellte aber schnell fest, dass es ganz schön schwer ist mit nur zwei Händen den Fondant über die Torte zu stülpen und ich es auf keinen Fall bei der größten Torte schaffe, ohne dass der Fondant reißt. Ein kurzer Hilferuf genügte und ich war erst mal wieder etwas beruhigt. Freunde sagten mir Hilfe zu, die Torte vor Ort fertig zu stellen. So oder so hatte ich vorgehabt die Torte final erst in der Küche der Hochzeitslocation zusammen zu bauen, weil sie sonst viel zu schwer zu transportieren gewesen wäre. Also machte ich mich erst mal auf den Weg mit den einzelnen Torten, Rosen und Materialien zur Location.  Ausgerechnet war die Hauptstraße von Hattingen zur A40 an einer Stelle gesperrt, so dass mich das Navi quer durch Essen führte, was bedeutete, dass ich einige Hügel mit teilweise ordentlicher Steigung zu überwinden hatte. Auch das Wetter war nicht ganz  so geeignet für den Tortentransport. Es kündigte sich nämlich hervorragendes Hochzeitswetter an und es war auch morgens schon gut warm. Ich stellte die Klimaanlage also vorsichtshalber auf ganz kalt. Ich und die Torte kamen glücklicherweise gut in Mülheim an.

Kurz die Küche der Location besichtigt, wusste ich, dass wir ganz schön schnell arbeiten müssen, um die Torte fertig zu stellen. Dort wurde nämlich schon fleißig gekocht und es war richtig heiß. Gemeinsam schafften wir es, den großen Tortenboden zu verkleiden und die Torte im Kühlhaus zu verstauen. Vielen vielen Dank nochmals für die Unterstützung.

Hochzeitstorte im Kühlhaus

Zum Nachmittag hin befestigte ich kurz vor der Trauung noch schnell die Rosen auf der Torte und es war geschafft. Ich war so erleichtert und konnte nun zunächst eine wunder-, wunder-, wunderschöne Trauung genießen. Die Torte wurde direkt als ersten Programmpunkt zum Kaffeetrinken angeschnitten und ich war super glücklich und erleichtert, als ich das Feedback bekam, dass sie allen schmeckte. Die Krönung für mich war dann, als die Dame von der Location mich fragte, ob ich Konditorin wäre. Was für ein Lob. Ich war so stolz und konnte von nun an die Hochzeit doppelt so gut genießen.

Die Feier war wundervoll. Ich muss sagen, ich war bisher noch nie auf so einer schönen Hochzeit. Alles stimmte. Da waren eine unfassbar glückliches Brautpaar, tolle Gäste, sehr leckeres Essen, eine ausgelassene Stimmung und abwechslungsreiche Programmpunkte. Die Trauzeugen und auch viele andere Freunde hatten sich sehr sehr viel Mühe gegeben, um den Tag perfekt zu gestalten und das war er auch. 

Mein Traum eine Hochzeitstorte zu backen wurde erfüllt und da Brautpaar sieht nun einer hoffentlich wunderbaren gemeinsamen Zukunft entgegen. Ich wünsche ihnen von Herzen alles alles Gute – bleibt so wie ihr seid und ich hoffe, dass wir gemeinsam noch viele wunderbare Momente erleben können.

Vielen lieben Dank an meinen Familie, meinen Freund und meine Freunde, die mich unterstützt haben.

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1 Kommentare

  1. Hach, wow.. ich bin schon vom Lesen ganz fertig 🙂 Da hast du aber ein wahnsinns Tortenschätzchen gezaubert – großartig. Ich wäre vermutlich vor Aufregung zwischendrin verstorben. Du hast meinen größten Respekt. Mir reichen schon normale Torten völlig aus. Ich bin ja eher für herzhaftes zuständig, gg…

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