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Jeden Tag ein Buch – in der Küche mit Alain Passard

Rezensionsexemplar sponsored / Nach einem Urteil des EuGH von 2011 müssen Beiträge die z.B. durch Rezensionsexemplare unterstützt werden, gekennzeichnet werden. Eine inhaltliche Einflussnahme seitens der Unternehmen findet auf meinem Blog nicht statt!

 

 

Heute ist es soweit – die Genussbuchaktion Jeden Tag ein Buch geht in die dritte Runde. Eine Woche lang werden Euch ganz viele fleißige Foodblogger auf ihren Blogs ausgewählte Genussbücher vorstellen.

jeden-tag-ein-buch_arianebille© Ariane Bille 

 Ich bin dieses Mal zwar nur mit einem Buch dabei, freue mich aber schon auf nette Anregungen von meinen Foodblogger- Kollegen. Ich stelle mich aktuell schon darauf ein, dass meine Bücherwunschliste wachsen wird. Gut, dass ich in meinem Bücherregal noch etwas Platz für weitere neue Bücher habe.

Und nun zu meinem Beitrag. Heute möchte ich Euch heute das Buch “In der Küche mit Alain Passard” von Christophe Blain, erschienen im Reprodukt Verlag vorstellen.

_DSC0684© Christophe Blain/ Reprodukt
ISBN 978-3-943143-74-4 
 

Nachdem ich Euch schon “Kann den Kochen Sünde sein” vorgestellt habe, ist dies nun der zweite kulinarische Comic, der es in mein Bücherregal geschafft hat. Ich habe mich schon sehr auf ein paar nette Stunden mit diesem Buch gefreut – gemütlich bei einer Tasse Kaffee und etwas Gebäck auf der Couch sitzen und lesen ist schon etwas Feines und man gönnt sich viel zu selten dieses bisschen Ruhe und Besinnlichkeit fern ab vom Web 2.0. Vor ein paar Tagen habe ich es geschafft, mich für längere Zeit “loszureißen”. Ich hatte richtig Lust, wieder einmal in die Welt der Comics einzutauchen und ein bisschen in die Küche Alain Passards reinzuschnuppern, den ich schon seit längerem für seine kreative Art mit Gemüse zu kochen, schätze und bewundere. Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen, in seinem Restaurant zu speisen und sein Kreationen zu kosten. Allerdings habe ich schon einige Dokumentationen über seine Kochkunst gesehen. Er inspiriert mich immer wieder und steckt mich mit seiner Leidenschaft zum Kochen an.

_DSC0665 © Christophe Blain/ Reprodukt

 Falls Ihr Alain Passard nicht kennt, möchte ich ihn Euch kurz vorstellen: 1956 in der Bretagne geboren, ist er seit 1986 Chef im Restaurant L’Arpège in Paris. 1996 wurde er vom Guide Michelin mit drei Sternen für seine herausragende Kochkunst ausgezeichnet. Er gilt als Pionier in der vegetarischen Küche und hat sich mit selbiger international einen Namen gemacht. Ihm ist es besonders wichtig, das Ansehen von Gemüse zu steigern und hervorzuheben. Er beschreibt wie fein, besonders und vielfältig es im Vergleich zu Fleisch schmecken kann. Im Gespräch mit Herrn Blain sagt er: “Ich möchte aus jedem Gemüse einen großen Wein machen”. Wie ich finde, ist dies ein passendes Sinnbild für seine Ambitionen. Für sein Restaurant betreibt er in verschiedenen Regionen Frankreichs drei Gemüsegärten, in denen er neben klassischen Gemüsesorten auch exotischere Arten anbaut. Zusammen mit seinen Gärtnern führt er dort gerne interessante Experimente durch. Im Buch erzählt er beispielhaft von einem “weiß-violetten Rüben-Experiment”. Er möchte herausfinden, unter welchen Bedingungen sich das Gemüse geschmacklich und optisch am besten entwickelt. Zusammen mit seinen Gärtnern testet, er in welchem seiner Gärten, in Sarge (Sandiger Boden), am Ärmelkanal (Schwemmboden) und in Eure (Lehmboden) sich die Rüben besonders positiv entwickeln. Wie sich herausstellte, gedeihen diese Sorte Rüben in Eure am besten.

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 Inhaltlich ist das Buch in mehrere Kurzgeschichten unterteilt und das ein oder andere Originalrezept wird vorgestellt. Das Buch beginnt mit seiner eigenen Entstehungsgeschichte. Herr Blain erhält den Auftrag, einen Comic über Alain Passards Küche zu schreiben. Zunächst etwas skeptisch, nimmt er den Auftrag an, lässt sich bei der ersten Kostprobe seiner Kochkunst begeistern und entwickelt sich im Verlauf des Buches zum einen vom Laien zum Passard Experten und zum anderen von jemanden, der gerne Isst zu einem Gourmet. Auf dem Weg dorthin schaut er sich den Arbeitsalltag im L’Arpège an, wird regelmäßig mit Köstlichkeiten verwöhnt, erfährt, wie seine eigenen Mitarbeiter ihren Chef charakterisieren und unternimmt Ausflüge in die Gärten. Dabei entlockt er dem Chef den einen oder anderen Tipp zu Zubereitungsarten, Kompositionen von Lebensmitteln und Trends in seiner Küche.

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Kurzgeschichten und insgesamt 15 Rezepte wechseln sich gegenseitig ab. Die Rezepte sind klar von den Geschichten getrennt. Mit einfarbigen Seiten, die an eine Menükarte erinnern, werden die Rezepte angekündigt. Dieses Stilmittel gefällt mir. Normalerweise sind Comics von Natur aus eher “wuselig”. Hier kann sich das Auge kurz beruhigen und man sich schon gedanklich auf das Rezept vorbereiten. Auf der nächsten Seite wird die Zubereitung in einem Fließtext beschrieben. Darauf folgen in einer etwas kleineren Schriftgröße, nützliche Tipps zur Zubereitung. Die Zutaten werden nicht klassisch vorneweg genannt. Dies ist etwas untypisch, stört mich allerdings nicht. Auf jeden Fall wird man als Leser dazu animiert, den Zubereitungstext mindestens einmal genau durchzulesen, damit man sich die Zutaten zum Einkaufen notieren kann. So kann es auch nicht so schnell passieren, dass man etwas überliest. Hat man das Rezept einmal verinnerlicht, kann man Alain Passard auf den jeweils folgenden Seiten, wieder im Comicstil beim Kochen des jeweiligen Rezeptes zuschauen. Hier finde ich es besonders gelungen, dass es Herr Blain schafft, über seine Zeichnungen die Leidenschaft Alain Passards zum Kochen bildlich darzustellen. “…, jeder Schritt wird zelebriert, wie ein Ritual. Jedoch schnell, präzise und energisch.”

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Die Rezepte für Feine Erbsen “Grüner Kaviar” und rote Pampelmuse mit frischer Minze, Langoustinen-Carpaccio mit Schnittlauch sowie Ananas mit Olivenöl, Honig und Zitrone finde ich besonders interessant. Sicherlich werde ich das ein oder andere Rezept ausprobieren.

Die Art und Weise, wie Herrn Blain Menschen zeichnet, trifft nur zu 80 % meine Zustimmung. Zwar hat er ein Talent, Mimiken und Gesten glaubhaft darzustellen und darüber Emotionen, Leidenschaft und Begeisterung auf die Leser zu projizieren, mich stören jedoch die gestrichelten Linien und Schraffierungen, die die abgebildeten Personen in manchen Situationen unharmonisch aussehen lassen. Als Harmonie liebende Person bevorzuge ich geradlinige Konturen und feinere Ausarbeitungen. Julie, Alain Passards Assistentin, wurde z.B. mit viel zu großen Augen und geröteten Schraffierung auf den Wangen, die wohl ihre aufgeweckte Art darstellen sollen, gezeichnet. Auf mich wirkt die Zeichnung leicht gruselig. In Wahrheit ist Julie hübsch und scheint einen netten Charakter zu haben. Man sollte sie dementsprechend darstellen. Auch bei den Zeichnungen der Gärten und Landschaften hat Herr Blain mit Schraffierungen gearbeitet. Dies gefällt mir richtig gut. Ich denke, dass hier eine Art Detailverliebtheit ihr übriges tut. Die Fassade von Häusern und Blätter von Büschen sind häufig besonders schön herausgearbeitet.

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Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. Die Person und die Küche Alain Passards werden auf eine angenehme Art und Weise präsentiert. Auch ein bisschen “Witz” ist, wie es sich für einen Comic nach meinem Dafürhalten gehört, dabei. Einige Passagen im Buch regen wirklich zum Schmunzeln an. Ich hoffe, dass es in Zukunft noch mehr kulinarische Comics geben wird. Ich empfinde kulinarische Comics neben den klassischen Kochbüchern als sehr erfrischend.

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